Kräuter & Pflanzen

Schar­bocks­kraut

Ranunculus ficaria L.

Sarah Christiansen
10 März, 2025

Das Scharbockskraut gehört zu den Pflanzen, die vermutlich die meisten Menschen schon einmal gesehen haben, aber deren Name nicht jeder kennt. Dabei ist das Kräutlein eine bezaubernde Erscheinung. So bezaubernd, dass es vom Frühling persönlich als einer seiner Boten auserwählt wurde, um dessen baldige Ankunft zu verkünden. Angetan mit einem grünen Gewand reckt es sein leuchtend gelbes Köpfchen, steht stolz am Wegesrand und informiert alle, dass der Winter bald vorbei ist (vgl. hierzu Glücklich trotz Winter).

Insekten schätzen das Scharbockskraut deshalb sehr als frühblühende reichhaltige Futterquelle in einer Zeit, in der nur wenige Blüten zur Verfügung stehen. Aber auch die Menschen, insbesondere die, die zur See fahren, profitieren schon lange von dem Kräuterfreund.

Freund der Seefahrer

„Scharbock“ ist ein altertümlicher Ausdruck für Skorbut, eine Vitamin-C-Mangelerkrankung, die unbehandelt tödlich enden kann. Den meisten ist Skorbut vermutlich im Zusammenhang mit der Seefahrt ein Begriff: Auf langen Schiffsreisen starben viele Seeleute an einer mangelhaften Ernährung. Aber auch nach einem langen Winter erkrankten Menschen früher häufig an Skorbut. Hier kam das Scharbockskraut ins Spiel: Als echte Vitamin-C-Bombe half es den Menschen, der Mangelerkrankung vorzubeugen.
Einzelne Scharbockskraut-Blüten

Wo wächst Scharbockskraut und wie sieht es aus?

Im botanischen Namen Ranunculus ficaria steckt bereits ein Hinweis darauf, wo das Scharbockskraut am liebsten wächst. Denn ranunculus bedeutet „Fröschchen“ und entsprechend fühlt sich die Pflanze besonders an feuchten Plätzen, wie Bachufern, wohl. Aber auch in Gärten, auf Wiesen oder in Laubwäldern ist sie zu finden. Dort breitet sie sich häufig in dichten Teppichen auf dem Boden aus. Die Pflanze wird dabei zwischen 5 und 20 cm hoch. Ab März beginnt das Scharbockskraut zu blühen (vgl. hierzu auch den Artikel Was sind Frühblüher?), die bezaubernden Blüten sind leuchtend gelb und sternförmig. Derweil glänzen die rundlichen bzw. herzförmigen Blätter dunkelgrün und sitzen jeweils an einem langen Stiel. In den Blattachseln bzw. Blattwinkeln bilden sich sogenannte Brutknöllchen. Sie sind weiß und haben die Größe eines Weizenkorns. Später fallen sie herab und aus ihnen wachsen dann neue Pflanzen.

Scharbockskraut in der Küche

Die jungen Blätter, die vor der Blüte geerntet werden (s. Kasten), eignen sich beispielsweise gut für einen Frühlingssalat aus Wildkräutern oder in der Suppe. Auch getrocknet als Tee oder frisch im Kräuterquark bzw. auf dem Brot kann man die Blättchen gut verwenden. Außerdem verpassen sie Kartoffelgerichten oder Soßen eine würzige Note. Dabei lässt sich über den kulinarischen Wert des Scharbockskrauts durchaus streiten. Während viele Menschen den würzig-herben Geschmack lieben, bevorzuge ich eher andere Kräuter in der Küche, die zur selben Zeit Saison haben, wie z. B. Vogelmiere oder Bärlauch.
Früher wurde übrigens aus den getrockneten Wurzeln des Scharbockskrauts Mehl hergestellt, mit dem dann Brot gebacken wurde.

Die Dosis macht das Gift und auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an

Scharbockskraut sollte nur in Maßen genossen werden. Denn es enthält (besonders in allen Wurzelteilen) u. a. Protoanemonin – ein pflanzliches Toxin. Beim Trocknen zerfällt es. Es werden in der Küche allerdings hauptsächlich frische Blätter verwendet. Diese erntet man idealerweise vor der Blüte, denn dann ist nur wenig Protoanemonin in den Blättern enthalten. Angeblich kann man auch am Geschmack erkennen, ob bereits viel Protoanemonin enthalten ist – in dem Fall schmecken die Blätter nämlich scharf und bitter. Ich habe das bisher allerdings noch nicht ausprobiert, sondern nur die ganz jungen Blätter gegessen.

Ist Scharbockskraut eine Heilpflanze?

In der Vergangenheit wurde Scharbockskraut in der Volksheilkunde verwendet, heute spielt es kaum noch eine Rolle. Wie bereits erwähnt, kam es bei Skorbut zum Einsatz. Ein weiterer früherer Anwendungsbereich lässt sich vom Namen herleiten: So wird das Scharbockskraut auch Feigwurz genannt und im botanischen Namen Ranunculus ficaria steckt das lateinische Wörtchen ficus für „Feigwarze“ (zu ranunculus siehe weiter oben). Die Volksmedizin folgte damals häufig der Signaturenlehre, die besagt, dass beispielsweise Form oder Farbe einer Pflanze auf ihre Heilwirkung deuten. Da die Wurzelknollen Feigwarzen ähnlich sahen, wurden sie dementsprechend gegen diese eingesetzt. Auch zur Blutreinigung wurde Scharbockskraut damals verwendet.

Scharbockskraut-Pflanzen
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